Kolloquium am 03.11.2009

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Kolloquium am 03.11.2009

Beitrag von Aaron am Fr Okt 30, 2009 1:53 am

Guten Abend,

ich wollte mal zwei Themen für nächsten Dienstag in den Raum stellen:

Thema 1

"Föten töten? Der Personenbegriff in der Ethik."

Folgendermaßen soll der Inhalt aussehen:
- Die Notwendigkeit eines Personenbegriffs (Peter Singer - Speziesmus)
- "Mensch" zu sein ist ethisch nicht relevanter als "Tier" zu sein.
- Nicht alle Menschen sind Personen
- Aber (Gegenargument von Speamann): nur wenn wir alle Menschen wie Personen behandeln, können sie überhaupt welche werden.

Vorteil dieses Themas:
- wenig Vortrag
- womöglich viel zu diskutieren

Nachteil dieses Themas:
- wenig Vortrag
- womöglich nicht viel zu diskutieren


Thema 2

"Sartre als letzte Rettung für Kant. Wider der ästhetischen Lebensweise."

Mir schwebt hier ein kleiner Exkurs von Jean-Paul Sartre über Kierkegaard bis Kant vor, der sich mit der (legitimen) Philosophischen Frage "Wie soll ich Leben?" beschäftigt.

Sartres Begriffs des Bad Faith / der Unaufrichtigkeit, als metaphysischem Irrtum, ist vielleicht einer der wichtigsten Begriff um sich selbst und andere zu kritisieren.

Wir (also die anderen, da draußen, nicht die Leute am Dienstag in der Fachschaft) leben von Tag zu Tag in Selbstbetrug. Wir entschuldigen uns mit missverstandener Faktizität vor uns selbst und vor anderen. Die menschliche Neigung der Selbstverdinglichung ist Mutter allen Übels. Wir ignorieren, dass wir in Wirklichkeit entscheiden, wie wir unser Leben führen und sehen uns deswegen nicht in der Verantwortung. Dabei ist jede einzelne Entscheidung nur möglich vor dem Hintergrund der Großen: wie ich mein Leben führen will.

Sören Kierkegaard präsentiert in Entweder-Oder zwei diametrale intellektuelle Lebensweisen: die Ästhetische und die Ethische. Die beiden Möglichkeiten kann man als Gegenstand einer existenziellen Entscheidung im Sinne Sartres lesen, die wir als angehende Intellektuelle fällen müssen (und gefällt haben), wenn wir nicht Unaufrichtig bleiben wollen. Konjunktur hat sicher die lustigere, die ästhetische, aber sie ist falsch:

Die ästhetische Lebensweise (eine Art intellektueller, kreativer Hedonismus) ignoriert die Transzendenz der menschlichen Seinsweise und verfängt sich in der Faktizität des Bad Faith.

Als Ausweg kann die ethische Lebensweise dann nur noch kantisch gedacht werden, wenn sie überhaupt ein Ausweg aus dem Drama sein soll. Sich selbst als Gesetzgeber im Königreich der Zwecke zu sehen (Kant), oder eben als Modell der menschlichen Gattung (Sartre) sind womöglich die einzigen zugkräftigen Ideen, die den postmodernen Menschen zu ethischem Handeln bewegen kann. Pflichterfüllung ist die einzig wahre Aufrichtigkeit.

Ich halte die deontologische Ethik auf dem Level der Lebensführung deswegen für der Utilitaristischen überlegen, weil das handelnde Subjekt in ihr nicht nur ungeliebter Ballast ist. Das Dilemma jeder atheistischen Ethik ist ihr Unvermögen sich selbst zu begründen und der Utilitarismus hat hier gar nichts in der Hand. Eine deontologische Pflichtenethik kann an den Stolz der Autonomie appellieren.

-------
Anmerkung: Dies wird im besten Fall eine Art lose Synopse, die wahrscheinlich keiner genauen Textkritik der Autoren standhalten kann. Ich werden außerdem Argumentationswege a la "Sartre musste sowas ja schreiben, weil er ein Brillenträger war" nicht von mir aus aufgreifen. Außerdem werde ich einleitend begründen, warum ich die Frage nach dem guten Leben für absolut legitim halte (denn im Endeffekt gehts hier ja darum.)

Vorteil dieses Themas:
- hm...lustiger? Ich weiß nicht Smile

Nachteil dieses Themas:
- wird vielleicht ein Desaster, weil nicht ausgereift (dann kann man mich ruhig laut ausbuhen)
- könnte lang werden
- Diskussionsfähigkeit schwer zu prognostizieren
------

Falls an keinem der beiden Gefallen gefunden wird, bin ich tödlich beleidigt. Falls beide für interessant befunden werden, könnt ich auch beide mal halten (wenn wir noch freie Termine haben...).

Ansonsten bitte ich um Stimmen -
und gute Nacht. Smile

Aaron

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Re: Kolloquium am 03.11.2009

Beitrag von Matzus am Fr Okt 30, 2009 10:42 am

Huhu!
Ich finde das zweite Thema interessanter...
Der Vortrag könnte natürlich ziemlich...hmm...intensiv werden.
Aber die Frage danach, was eine Person letzlich ausmacht
führt m.E. auf die müßige und ausgelutschte Debatte,
ob man nun doch die UNÄSTHETISCHE und UNSCHÖNE und
UNGLAUBLICH UNFREUDIGE (i.S.v. 'freudlos', 'ohne jegliche Freude', 'frei von Freude', Freude-entleert', 'einem Glücksvakuum gleich', 'unglücksvoll' u.ä.) Lebensweise
der Vegetarier durch Konversion unterstützen sollte.
Arrrrrrrrrrgh.
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Re: Kolloquium am 03.11.2009

Beitrag von Aaron am Fr Okt 30, 2009 1:46 pm

"intensiv"...joa...na lang würde es halt werden. Kann das ganze natürlich auf Statements reduzieren, die dann aber bitte kommentarlos angenommen oder mit euphorischer Zustimmung bedacht werden.

Fachliche Frage: Vegetarismus als Antithese der Freude oder eher als Nichtung derselben? ...im Matzussismus mein ich jetzt.

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Re: Kolloquium am 03.11.2009

Beitrag von Patrick Schopenhauer I. am Fr Okt 30, 2009 6:47 pm

Meine Stimme für den zweiten Vortrag. Die von Matze heraufziehende "Intensität" sehe ich ebenfalls am Horizont, doch sollte uns das keinesfalls abschrecken. Eventuell ließe sich der Vortrag sogar über zwei Sitzungen halten (sprich: übernächste Woche würde dann die Diskussion fortgeführt, neue Gedanken deinerseits vermittelt, etc.).

Deine Argumente- ob sie nun tatsächlich einer textkritischen Analyse anhand der Autoritäten standhalten könnten oder nicht- interessieren mich brennend. Glaube bereits einigermaßen zu ahnen, in welche Kerbe der Hammer schlagen wird, und hoffe adäquat dagegen argumentieren zu können- was voraussichtlich nötig sein wird Wink

Schön dass wir zur Alphafrage zurückkehren. Sie wird imho viel zu selten wirklich tiefgehend thematisiert.

(Den ersten Vortrag kann man gern ebenfalls abhalten. Aber nicht am kommenden Dienstag, denn jetzt bin ich heiß )
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Re: Kolloquium am 03.11.2009

Beitrag von Aaron am Fr Okt 30, 2009 9:45 pm

Na wenn du eh schon heiß bist, dann... Wink

Wir gucken einfach im Laufe der Sitzung mal ob das Thema für mehr trägt. So ganz Basisdemodingsta im Kreis.

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Re: Kolloquium am 03.11.2009

Beitrag von Penny der Prinz am So Nov 01, 2009 4:46 pm

Jaja. Der Pöbel sprach und nun spricht er weiter:
Finde Thema zwei auch sehr interessant. Vote dafür. Jeah! Deontologische Ethik vs. Utilitarismus. Fight! Ich vermute einen harten Kampf mit diversen (geistigen) Tiefschlägen.
Fein, fein.
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Re: Kolloquium am 03.11.2009

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